Sport Together Abschlusskonferenz Pristina - Bericht
Die Veranstaltung markierte den Abschluss einer zweijährigen regionalen Initiative (2024–2026), die darauf abzielte, die Rolle des Grassroots-orientierten Jugendsports bei der Förderung sozialer Inklusion, Versöhnung und Zusammenarbeit in den westlichen Balkanstaaten zu stärken.
Die Konferenz brachte Vertreter*innen von EU-Institutionen, diplomatischen Vertretungen, der Wissenschaft, zivilgesellschaftlichen Organisationen, Sportverbänden, Praktiker*innen, sowie junge Menschen zusammen. Sie bot eine Plattform, um Projektergebnisse zu reflektieren, gewonnene Erkenntnisse auszutauschen und Perspektiven für eine nachhaltige Wirkung über die Projektlaufzeit hinaus zu diskutieren.
Eröffnungsworte und politische Perspektiven
Die Konferenz wurde offiziell von Vertreter:innen des Vienna Institute for International Dialogue and Cooperation (VIDC) sowie der gastgebenden Organisation KFV Prishtina eröffnet. In den Eröffnungsbeiträgen wurde die zunehmende Bedeutung des Sports als Raum für Dialog und gesellschaftlichen Wandel in geteilten Gesellschaften hervorgehoben. Kurt Wachter (VIDC) betonte: „Sport ist zu einem Bereich der Zivilgesellschaft geworden, in dem Fortschritte in Richtung multiethnischer Integration, Überwindung nationalistischer Gräben und Stärkung lokaler Eigenverantwortung möglich sind. Selbst in herausfordernden Zeiten bietet Sport Raum für Veränderung.“
Hochrangige politische Redner*innen unterstrichen die Bedeutung von Investitionen in Jugend, Inklusion und Zusammenarbeit. Hubert Perr, Leiter des EU-Büros im Kosovo, hob das Engagement der Europäischen Union hervor: „Sport fördert Inklusion. Im Kosovo kann Sport – und insbesondere Fußball – eine Schlüsselrolle dabei spielen, die soziale Inklusion von Kindern und Jugendlichen, Mädchen und Jungen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Hintergründen zu verbessern. Die EU steht an ihrer Seite und unterstützt diese Bemühungen nachdrücklich.“ Regionale Zusammenarbeit und langfristige Investitionen in junge Menschen wurden zudem als zentrale Voraussetzungen für einen stabilen und stärker zusammenwachsenden westlichen Balkan beschrieben.
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Wissenschaftliche Perspektiven: Sport und Friedensförderung
Einen zentralen thematischen Beitrag lieferte Professor Richard Giulianotti (Loughborough University) in seiner Keynote zum Thema Sport und Friedensförderung in geteilten Gesellschaften. Auf Basis regionaler und internationaler Erfahrungen unterstrich er sowohl das Potenzial als auch die Grenzen sportbasierter Interventionen und betonte die Notwendigkeit nachhaltiger Unterstützung sowie realistischer Erwartungen. Rückblickend auf die Konferenz stellte er fest, dass „die Konferenz die hervorragende Arbeit hervorgehoben hat, die im Kosovo und in den westlichen Balkanstaaten geleistet wird, um Sport zur Förderung von Friedensarbeit, Versöhnung und sozialer Inklusion einzusetzen – insbesondere für Mädchen und Frauen. Es ist entscheidend, dass diese Arbeit fortgeführt und weiter ausgebaut wird.“ Die Keynote ermutigte die Teilnehmenden, über kurzfristige Begegnungen hinauszudenken und Grassroots-Initiativen mit breiteren institutionellen und politischen Rahmenbedingungen zu verknüpfen, die nachhaltige Veränderungen ermöglichen.
Forschung, Praxis und institutionelle Perspektiven
Ein Expert*innenpanel vereinte akademische, institutionelle und praxisorientierte Perspektiven, vertreten durch Dina Klingmann (GIZ), Ardian Latifaj (UNDP), Besnik Krasniqi (Universität Prishtina), Sanije Krasniqi (Kosovarischer Fußballverband) sowie Danilo Vukotić (Montenegrinischer Fußballverband). Die Diskussion konzentrierte sich auf die Übertragung wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis, die Stärkung inklusiver Sportpolitiken sowie die Gewährleistung sicherer und gendersensibler sportlicher Kontexte. Unter der Moderation von Dario Brentin (VIDC) wurde die Bedeutung sektorübergreifender Zusammenarbeit und evidenzbasierter Ansätze zur Bekämpfung von Ausgrenzung und Diskriminierung im Sport hervorgehoben.
Institutionelle Vertreter:innen bekräftigten ihr Engagement für Inklusion und Chancengleichheit innerhalb sportlicher Strukturen. Sanije Krasniqi (Fußballverband Kosovo) betonte: „Inklusion, Respekt und Chancengleichheit sind grundlegende Prinzipien unserer Arbeit. Der Fußballverband unterstützt Initiativen, die Barrieren für die Teilnahme abbauen und einladende Umfelder für alle Beteiligten im Fußball schaffen.“
Projektergebnisse, Jugendstimmen und Lernerfahrungen
Im Aktivist*innenpanel wurden konkrete Projektaktivitäten und Lernerfahrungen aus der gesamten Region vorgestellt, darunter grassroots-Sportveranstaltungen, Multiplikator*innentrainings und grenzüberschreitende Austauschformate. Junge Multiplikator*innen, Aktivist*innen und Praktiker*innen berichteten aus lokalen Kontexten und beleuchteten sowohl Erfolge als auch Herausforderungen bei der Arbeit in geteilten Gemeinschaften.
Jugendliche Stimmen und Athlet:innen standen im Mittelpunkt der Diskussionen und unterstrichen die Bedeutung klarer Leitlinien für die Organisation inklusiver, sicherer und gendersensibler Sportaktivitäten. Wiederholt wurde betont, dass Sportinitiativen besonders wirksam sind, wenn junge Menschen nicht nur als Teilnehmende, sondern als aktive Gestalter*innen des Wandels in ihren Gemeinschaften eingebunden werden.
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Schutzkonzepte, Nachhaltigkeit und zukünftige Zusammenarbeit
Die Diskussionen im Verlauf der Konferenz verdeutlichten, dass Schutzkonzepte (Safeguarding) und Nachhaltigkeit als zentrale Prinzipien von Sport-für-Frieden-Initiativen verankert sein müssen. Die Teilnehmenden betonten, dass sichere, inklusive und gendersensible sportliche Kontexte langfristiges institutionelles Engagement, geschultes Personal sowie robuste Schutzmechanismen erfordern. Nachhaltigkeit wurde eng mit der Notwendigkeit längerer Förderzyklen, kontinuierlichem Kapazitätsaufbau und einer stärkeren Integration von Inklusion in die allgemeine Sport- und Bildungspolitik verknüpft.
Die Konferenz endete mit einem moderierten Netzwerk- und Kooperationsforum, das es den Teilnehmenden ermöglichte, konkrete Ansätze für grenzüberschreitende Zusammenarbeit, Finanzierung und Advocacy zu identifizieren. Besonders hervorgehoben wurde die zukünftige Zusammenarbeit mit dem Fußballverband Kosovo, der Interesse an einer vertieften Kooperation mit VIDC in den kommenden Monaten und Jahren bekräftigte.
Zusammenfassend unterstrich Kurt Wachter (VIDC) die übergeordnete Vision des Projekts: „Sport Zajedno ist ein starkes Beispiel dafür, junge Multiplikator:innen zu stärken und sie mit Akteur:innen aus dem Sportbereich zu vernetzen.“ Insgesamt bestätigte die Abschlusskonferenz das Potenzial des grassroots-orientierten Jugendsports als wirksames Instrument zur Förderung sozialer Inklusion, Versöhnung und Zusammenarbeit in den westlichen Balkanstaaten – vorausgesetzt, er wird durch nachhaltige Investitionen, sektorübergreifende Partnerschaften und ein langfristiges Engagement für Lernen und Inklusion unterstützt.
Link zum Video der Veranstaltung
Link zum Programm der Veranstaltung
Disclaimer: „Sport Zajedno“ wird von der Europäischen Union finanziert. Die geäußerten Ansichten und Meinungen entsprechen jedoch ausschließlich denen der Autor:innen und spiegeln nicht zwangsläufig die Auffassung der Europäischen Union oder der Europäischen Exekutivagentur für Bildung und Kultur (EACEA) wider. Weder die Europäische Union noch die EACEA können für diese Inhalte verantwortlich gemacht werden.
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