Offener Rassismus, struktureller Ausschluss und was wir aus dieser WM lernen können

Die unsäglichen rassistischen Vorfälle im Rahmen der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 häufen sich!

Vor allem Spieler mit Migrationsgeschichte sowie das französische Team wurden in den vergangenen Tagen immer wieder Zielscheibe rassistischer Kommentare von Politiker*innen. Der konservative spanische Ex-Premierminister Mariano Rajoy schwadronierte von einem „Kader ohne Franzosen“ und spricht somit Schwarzen Spielern wie Mbappé, Dembélé oder Doué, die allesamt in Frankreich geboren sind, ihr Recht als Staatsbürger ab. 

Schon nach der Niederlage Paraguays gegen Frankreich beschimpfte die paraguayische Senatorin Celeste Amarilla beschimpfte Stürmerstar Kylian Mbappé rassistisch („das Gebildetste, was er je gehört hat, waren Schimpansen“). Auch Chants argentinischer Fans, die die multi-ethnische Zusammensetzung des französischen Teams verhöhnten, machten die Runde in den sozialen Netzwerken. Zudem verhielten sich argentinische Fans beim Spiel gegen Kap Verde rassistisch. Nach dem Ausscheiden der Niederlande gegen Marokko waren Justin Kluivert, Quinten Timber und Crysencio Summerville nach ihren verschossenen Elfmetern Zielscheibe von Hasskommentaren. 

Neben den offenen Formen von Diskriminierung, offenbart diese WM auch strukturellen Rassismus, der zum Ausschluss halber Kontinente führte. Von den 39 Staaten, die verschärften Einreisebestimmungen der US-Regierung von Präsident Trump betroffen sind, finden sich 26 in Afrika. Fans und Journalist*innen aus Senegal und der Elfenbeinküste wurde die Einreise faktisch verboten. Dem somalischen FIFA-Schiedsrichter Omar Artan wurde die Einreise in die USA ganz verweigert.

Rassismus im Sport ist eine Verletzung grundlegender Menschenrechte, die die Integrität sportlicher Wettkämpfe und das Wohlergehen der Teilnehmer*innen gefährdet. Um ihn zu beseitigen, sind eine strikte Null-Toleranz-Politik, eine konsequente Durchsetzung von Richtlinien und kontinuierliche Aufklärungsarbeit erforderlich, um sowohl systemische als auch offene rassistische Diskriminierung zu bekämpfen.

Wir müssen aufhören, Rassismus mit „Emotionen“ zu rechtfertigen. Was oft als „Spaß“ abgetan wird, kann in Wirklichkeit zutiefst erniedrigend sein – es verstärkt Stereotype, untergräbt das Selbstvertrauen und schafft ein Umfeld, in dem man sich unsicher fühlt. Es geht hier nicht nur um Sprache – es geht um Verhalten, Einstellungen und die Strukturen, die deren Fortbestehen ermöglichen. Wir müssen die Denkweise hinterfragen, die diskriminierendes Verhalten als harmlos ansieht. Jede*r Trainer*in, jede*r Manager*in und jede*r Teamkolleg*in hat die Verantwortung, sich zu Wort zu melden, wenn Grenzen überschritten werden – denn Schweigen ist Mitschuld.

Bald ist das WM-Spektakel vorbei und der fußballerische Alltag beginnt wieder. Was können wir aus den Vorfällen lernen? Sport muss sich auch abseits von Mega-Events aktiv gegen Rassismus einsetzen. Das bedeutet, über bloße Statements und Schulungen hinauszugehen und konkrete Rechenschaftspflicht zu gewährleisten: Standards festlegen, Fortschritte überwachen und entschlossen handeln, wenn Rassismus auftritt. Jeder Sportverband sollte sich fragen, wie transparent er ist, wenn es zu Diskriminierungen kommt.

Repräsentation ohne Rechenschaftspflicht ist Augenwischerei. Wahre Inklusion erfordert eine antirassistische Führung – Führungskräfte, die bereit sind, sich unbehaglich zu fühlen, den Status quo in Frage zu stellen und Systeme neu zu gestalten, um Gerechtigkeit zu gewährleisten.

Das fairplay Team

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