Nosso Jogo – ein ambitioniertes und breites Vernetzungsprojekt stellt sich vor

„Nosso Jogo“ ist portugiesisch und steht für „unser Spiel“. Die Initiative nimmt Bezug auf die Wirtschaftsmacht Brasilien und die Austragung der Fußball-Weltmeisterschaft (WM) im Juni und Juli 2014. Nosso Jogo tritt vehement für die Einhaltung von Menschenrechten ein, präsentiert ein diverses, repräsentatives Bild Brasiliens und plädiert für globale Fairness.

Anfang März 2014 verkündete der umstrittene Präsident des Fußball-Weltverbandes FIFA, Josef Blatter, im Rahmen einer Kongresssitzung, dass bei zukünftigen Vergabeentscheidungen für Fußballweltmeisterschaften die Lage der Menschenrechte in den potenziellen Austragungsländern als Kriterium einfließen müssen. Dieses Statement wurde getätigt nach einer WM in Südafrika 2010, die unzählige Zwangsumsiedlungen zur Folge hatte, nach den Olympischen Winterspielen im russischen Sotschi im Frühjahr 2014, die nicht nur ob der dortigen Auslegung der reaktionären Homosexuellenrechte harsch kritisiert wurden; die Aussage Blatters ist auch zu sehen als Reaktion auf die Ereignisse rund um die WM in Brasilien, mit Blick auf die zukünftigen Großevents in Russland 2018 sowie Katar 2022, die schon jetzt durch eine Vielzahl an Unfällen und sozialen Missständen im Rahmen von Bauarbeiten ihren Schatten vorauswirft.

 

Dass Brasilien im Jahr 2008 von der FIFA die Zusage für die WM-Austragung 2014 erhielt ist kein Zufall. Zum einen ist sie Folge einer von der FIFA - mittlerweile ad acta gelegten - Vorgabe der Kontinentalrotation, zum anderen bietet dieses sportliche Großereignis Potenziale auf zwei Ebenen: Es eröffnet die Möglichkeit, ein Land und dessen Städte zu labeln und das Bild Brasiliens als zukünftigen Big Player am Weltwirtschaftsmarkt weiter zu stärken. Für den Weltfußballverband ergeben sich lukrative ökonomische Investments in einem aufstrebenden Land und das geopolitische Ziel, das Massenphänomen Fußball global weiter zu verbreiten. Zieht man den Kontext der BRICS-Staaten heran, ist es wenig überraschend, dass von Seiten der FIFA bereits verlautbart wurde, dass nach Katar 2022 etwa China oder Indien als Austragungsländer der Fußball-WM 2026 vorstellbar wären.
In Brasilien haben die infrastrukturellen, wirtschaftspolitischen und sicherheitsstrategischen Maßnahmen der letzten Jahre breite Proteste zur Folge gehabt. Ihren Höhepunkt hatten sie während des Confederations Cups im Sommer 2013. In der Öffentlichkeit oftmals ohne klares inhaltliches Ziel präsentiert, hat(te) die Protestbewegung (mit Blick auf die WM) vier zentrale Standpunkte: Sie richtete sich gegen Preiserhöhungen (vor allem im öffentlichen Verkehr), gegen eine gescheiterte Bildungsreform, gegen das Gesundheitssystem sowie – im Allgemeinen – gegen eine korrupte Landesregierung. Etwas verkürzt kann festgehalten werden, dass die Bevölkerung Brasiliens durchaus für die Austragung der WM ist, jedoch nicht zu den Bedingungen von Seiten der Regierung und der FIFA samt deren Vertrags-Partner_innen, sondern nach deren eigenen Vorstellungen.
Die Ereignisse in Brasilien sind keine singulären. Sie lassen sich ein in eine Reihe an zivilgesellschaftlichem Aufbegehren des letzten Jahrzehnts einordnen, vorangetrieben von einer global zunehmend breiter werdenden Mittelschicht,  die diverse Kanäle nutzt, um ihre Forderungen und Anliegen weltweit zu verbreiten und lokal wirksam zu machen.


Das österreichweite Projekt „Nosso Jogo – Initiative für globales Fair Play“ zielt darauf ab, aktuelle  entwicklungspolitisch relevante Inhalte um die WM in Brasilien und darüber hinaus öffentlich zu thematisieren, und dabei  ein repräsentatives, diverses Bild Brasiliens in Österreich zu zeichnen, jenseits von gängigen Klischees und Stereotypen.
Die Besonderheit, und zugleich großes Potenzial des Projektes ist die breite Vernetzung involvierter Organisationen. Neben FairPlay-VIDC als koordinierende Stelle wird das Projekt getragen von fünf weiteren Organisationen: der brasilianisch-österreichischen Kultureinrichtung globalista, der Frauensolidarität, Jugend eine Welt, dem Lateinamerika-Institut (LAI) sowie Südwind, bei der auch die zentrale Öffentlichkeitsarbeit für Nosso Jogo verankert ist.

 

Darüber hinaus gibt es eine Reihe an österreichischen Partner_innen, die ebenso Aktivitäten zu Brasilien, vor allem im Kontext der WM, durchführen und im Rahmen von Nosso Jogo transportiert und multipliziert werden.  Dabei gilt die Zusammenarbeit mit der brasilianischen und lateinamerikanischen Community in Österreich als essentieller Bestandteil.
Das Netzwerk von Nosso Jogo ist in stetigem Austausch mit weiteren Initiativen in Europa, mit einer Konzentration auf den deutschsprachigen Raum, und ist in konstantem Kontakt mit Organisationen in Brasilien, darunter Kinder- und Jugendliche-Projekte sowie mit diversen comitês populares, so genannte Basiskomitees, die sich in den letzten Jahren rund um die Protestbewegung landesweit bildeten und zentral koordinierten.
Die Thematiken von Nosso Jogo orientieren sich an den Expertisefeldern der involvierten Organisationen, zugleich an den aktuellen Zusammenhängen und Geschehnissen in Brasilien: Arbeits- und Frauenrechte, Kinderrechte und Verdrängung aus dem öffentlichen Raum, künstlerisch-kulturelle Diversität und wissenschaftlicher Dialog sowie Sport als Mittel für nachhaltige soziale Entwicklung. Zusätzlich wird im Rahmen von Nosso Jogo ein Austausch mit Partner_innen aus der Wirtschaft stattfinden.


Die Aktivitäten des Projektes konzentrieren sich um die Monate März bis Juni in Form von Vortrags- und Podiumsveranstaltungen, Workshops für Kinder, Jugendliche und Erwachsene und einem mehrtägigen kulturellen Hauptevent zu Pfingsten am Wiener Karlsplatz. Während der WM wird es etwa alternative Public Viewings geben, aber auch nach der WM wird es eine Reihe an Veranstaltungen geben, die das Ereignis und dessen Rahmenerscheinungen thematisieren und einen Ausblick auf die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro 2016 geben. Dahingehend wird die Plattform Nosso Jogo über Jahre bestehen und stetig mit Aktivitäten gefüllt werden.
Ein wichtiger Baustein der Ziele des Projektes resultiert in einer Petition, die Ende März 2014 verbreitet werden wird, sich an diverse

Entscheidungsträger_innen des Sports und von Regierungen richtet, und nachdrücklich die Einhaltung von Menschenrechten einfordert. Alle Veranstaltungen sind der Website und der <link https://www.facebook.com/nossojogo.at?fref=ts - external-link-new-window>Nosso Jogo-facebook-Seite</link> zu entnehmen.

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