fairplay prevention wird eingestellt – Projektteam zieht positive Bilanz

Das Projekt fairplay prevention – Anlaufstelle gegen menschenfeindliche Ideologien fällt den Sparmaßnahmen der Bundesregierung zum Opfer und wurde nach vier Jahren Aufbauarbeit mit Jänner 2026 eingestellt.

Als Maßnahme auf den verheerenden Terroranschlag von Wien am 2. November 2020, förderte das Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport (BMWKMS – damals noch BMKÖS) Projekte der Extremismusprävention im Sport. Die fairplay Initiative reichte mit „fairplay prevention – Anlaufstelle gegen menschenfeindliche Ideologien“ ein Projekt ein und bekam den Zuschlag für die Betreuung einer österreichweiten Anlaufstelle im Sport ab Jänner 2022. Ziel des Projekts war es, Extremismen nachhaltig entgegenzuwirken und ihnen den Nährboden zu entziehen – durch Aufklärung und Sensibilisierung, Bildungsprogrammen sowie durch die Steigerung der Resilienz bei Sportvereinen und Aktiven. 

Seit damals organisierte der neue Arbeitsbereich bei fairplay zahlreiche Veranstaltungen, Kampagnen, publizierte wissenschaftliche Studien, schuf Bildungsangebote für Vereine/Verbände in Form von Workshops und Schulungen oder trug die Vernetzung in den Bereichen des organisierten Sports, der außerschulischen Jugendarbeit, der Extremismusprävention sowie zivilgesellschaftlichen Akteur*innen voran. 

Extremismusprävention im Sport: Aufbau eines neuen Arbeitsbereichs  
Ganz zu Beginn des Projekts stand insbesondere die Aufbauarbeit im Fokus. Kaum vorhandene Daten und vergleichbare Projekte waren eine der größten Herausforderungen. Obendrein versuchte fairplay prevention die vorhandene Expertise von Menschen und Organisationen im deutschsprachigen Raum zu bündeln und miteinander zu vernetzen – im Sinne einer ganzheitlichen Präventionsstrategie für den Sport. Thematisch fokussierte man sich auf die Prävention von Rechtsextremismus und religiös begründete Extremismen und versuchte vor allem im Kampfsport und Fußball aktiv zu sein. Der gegründete Projektbeirat mit Expert*innen aus den Feldern Sport, Jugend, Prävention, Forschung und Dokumentation stand fairplay prevention beratend zur Seite. 

Durch aktive Netzwerkarbeit, Veranstaltungen und Kampagnen gelang es insbesondere im Kampfsportbereich zielgerechte Präventionsmaßnahmen zu entwickeln und sich für eine inklusive Kampfsportkultur zu engagieren. Das Angebot wurde sowohl von Fachverbänden und Vereinen als auch von Projekten und Organisationen in der offenen Jugendarbeit sehr gut angenommen und unterstützt. Davon profitiert haben nicht nur diese Institutionen, sondern vor allem auch zahlreiche Jugendliche, die die aufstrebende Sportart leidenschaftlich ausüben und jene Personen, die dies gerne möchten, aber aufgrund der großteils vorherrschenden Rahmenbedingungen (z.B.: Hypermaskulinität oder menschenfeindliche Ideologien) nicht möglich ist. 

Positive Bilanz 
Zu den Leuchtturmprojekten gehörten die Publikation der Explorativstudie „Zum Stand der Präventionsansätze im österreichischen Kampfsport“, zusammen mit Vollkontakt aus Deutschland, der Organisation der Tagung „Vielfalt im Kampfsport“ gemeinsam mit dem World Jewish Congress, der österreichweiten Kampagne „Feminist Fighters Week“ sowie der „Fan Embassy“ im Rahmen der UEFA EURO 2024 in Deutschland,

Ein weiterer Höhepunkt war die Freiluft-Ausstellung über den legendären ÖFB-Teamchef, Holocaustüberlebenden und Initiator der Schülerliga, Leopold Stastny, die in Innsbruck über 7.000 Besucher*innen zählte. Zuletzt präsentierten wir im Rahmen der Tagung „Haltung zeigen im Sport“, unseren Monitoringbericht „Menschenfeindliche Ideologien im Kampfsport – Toxische Männlichkeiten, Rechtsextremismus und Netzwerke“ Vor allem auf den regelmäßigen Austausch mit Sportvereinen- und Verbänden, Gyms, Eventveranstalter*innen sowie Organisationen aus der Jugendsozialarbeit, blicken wir mit Freude zurück. Zudem ist es gelungen ein Angebot für den organisierten Sport zu schaffen, welches neues Bewusstsein für die Thematik schafft, ihnen neue Handlungsmöglichkeiten gibt und ihre Resilienz stärkt. Auch auf politischer Ebene gab es Erfolge: die neue Nationale Antisemitismus Strategie 2.0 enthält erstmals ein Kapitel zu Sport mit Verweis auf Best-Practice Beispielen von fairplay prevention.

Blick in die Zukunft 
Mit Ende Jänner 2026 wurde das Projekt aufgrund der Sparmaßnahmen eingestellt und nicht mehr weiter vom BMWKMS gefördert. Die Einstellung des Projekts trifft vor allem jene Sport-Stakeholder, die in den letzten vier Jahren von der Expertise, den Workshops, Kampagnen oder Events von fairplay prevention profitiert haben. Gemeinsam sind wir der Überzeugung, dass die Extremismusprävention weiterhin nur dann funktionieren kann, wenn sie in allen Gesellschaftsbereichen wirkt – dazu gehört auch der Sport. Die gemeinsamen Anstrengungen der letzten Jahre – den Sport in seiner Resilienz gegenüber Extremismen zu stärken – werden nun gestoppt. 

Nichtsdestotrotz werden wir weiterhin an dem Thema arbeiten und können im Rahmen unserer Servicestelle einzelne Bildungsmaßnahmen (Workshops und Schulungen) anbieten sowie die Anlaufstelle gegen menschenfeindliche Ideologien betreuen. Ziel muss es aber sein, dass die wichtige Präventionsarbeit im österreichischen Sport wieder mit öffentlichen Mitteln gefördert wird.

In der Hoffnung, dass die aufgebauten Strukturen in Österreich von nachhaltigem Nutzen sind und menschenfeindliche Ideologien im Sport keinen Nährboden finden.

 

Kontakt: 
Michael Schmied
schmied [AT] vidc [DOT] org
Tel: +43 1 713 35 94 - 84

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