Sportlich kommt Algerien mit Rückenwind zur WM. Die Mannschaft qualifizierte sich souverän als Gruppensieger. Im Afrika-Cup vor wenigen Monaten war nach vier Siegen mit nur einem Gegentor im Viertelfinale gegen Nigeria Schluss. Insgesamt kann sich die Bilanz der letzten beiden Jahre mit 24 Siegen in 37 Spielen sehen lassen.
Seit Februar 2024 werden die „Fennecs“, auf Deutsch: Wüstenfüchse, von Vladimir Petković betreut. Der langjährige Teamchef der Schweiz soll in Algerien den Generationenwechsel vollziehen und an die erfolgreiche Phase der 2010er Jahre anknüpfen. 2014 erreichte Algerien das WM-Achtelfinale, 2019 gewann das Team den Afrika-Cup. Unter Petković agiert Algerien meist in einem variablen Spielsystem mit viel Ballbesitz und schnellen Flügelangriffen, je nach Gegner im 4-3-3 oder 4-2-3-1. Sein Fokus gilt der Balance von offensiver Kreativität und defensiver Kompaktheit.
Petković setzt sowohl auf etablierte Führungsspieler als auch auf junge Talente. Kapitän und Symbolfigur ist und bleibt der langjährige Manchester-City-Star Riyad Mahrez, der seit 2023 beim saudischen Erstligisten Al-Ahli unter Vertrag ist. Im Angriff stürmt der Wolfsburger Mohamed Amoura. Er hat der WM-Qualifikation mit zehn Toren seinen Stempel aufgedrückt. Im Mittelfeld gibt Ismaël Bennacer von Dinamo Zagreb den Takt vor. Er organisiert den Spielaufbau und sorgt für Stabilität im Zentrum. Defensiv gehören der Dortmunder Ramy Bensebaini und Aïssa Mandi von LOSC Lille zu den wichtigsten Stützen.
Trotz der Freude über die WM-Teilnahme spart die algerische Presse nicht mit Kritik. Obwohl die Resultate stimmen, käme heute nicht die gleiche Begeisterung wie bei früheren Teams auf.
Gleichzeitig drängen neue Namen nach: Der 20-jährige Ibrahim Maza von Bayer Leverkusen, geboren in Berlin, sorgte beim Afrika-Cup für Aufsehen. Er steht stellvertretend für eine junge Generation von in Europa aufgewachsenen Spielern. Das trifft auch auf den Tormann zu: Luca Zidane, der im Unterschied zu seinem Vater Zinedine für Algerien statt für sein Geburtsland Frankreich antritt. Sein WM-Einsatz ist bei Druck dieser Ausgabe wegen einer Gesichtsverletzung allerdings fraglich.
Trotz der Freude über die WM-Teilnahme spart die algerische Presse nicht mit Kritik. Obwohl die Resultate stimmen, käme heute nicht die gleiche Begeisterung wie bei früheren Teams auf. „Der Trainer hat vielleicht die Statistiker überzeugt, nicht aber die Seele des Landes“, schreibt das Onlineportal DZFoot.
Für Österreich bleibt der Gegner schwer einschätzbar. Bislang gab es ein Duell: Bei der WM 1982 in Spanien gewann Österreich dank Toren von Walter Schachner und Hans Krankl 2:0, ehe es sich mit Deutschland den Aufstieg im berüchtigten „Nichtangriffspakt“ von Gijón sicherte. Algerische Fans auf den Tribünen winkten damals in Protest mit Geldscheinen. Wie tief die Erinnerung daran noch heute sitzt, muss unlängst der neue österreichische Botschafter in Algier erleben. Auf einen Facebook-Post zur WM-Gruppenauslosung im Dezember folgen hunderte Kommentare, fast alle mit gleichem Inhalt: 1982 sei keinesfalls vergessen und die Zeit reif für die Revanche.
Dieser Artikel wurde von Stefan Belabed für den Ballesterer #206 verfasst.
