Der Arbeitsbereich Sport, Entwicklung & Menschenrechte stellt sich vor

Die fairplay Initiative nimmt eine Vorreiterrolle hinsichtlich der Verbindung von Fußball und entwicklungspolitischer Bildungs – und Öffentlichkeitsarbeit ein. Mit dem ersten Dialogforum „Sport und Entwicklung“ 2006 wurde der Grundstein für eine systematische Auseinandersetzung mit diesem innovativen Themenkomplex gelegt.

Seitdem hat sich der Arbeitsbereich Sport und Entwicklung um das Themenfeld Menschenrechte erweitert. Menschenrechte als unabdingbare Rechte jedes einzelnen Individuums, werden ein immer präsenteres Thema.. Sportgroßevents dürfen nicht mehr auf Kosten der lokalen Bevölkerung durchgeführt werden. Daher wurde rund um die FIFA WM 2014 und die Olympischen Spielen 2016 in Brasilien mit Unterstützung der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit das Vernetzungsprojekt „Nosso Jogo“ (Unser Spiel) gestartet.

Um die Realisierung von Menschenrechten auch auf alltäglicher Vereinsebene zu thematisieren, wurde 2015 die AG Sport und Menschenrechte vom Sportministerium gegründet, die von fairplay koordiniert wird. Mit dem Projekt „Our Game – Unser Spiel für Menschenrechte“ anlässlich der Fußball-WM 2018 in Russland soll wiederum einer breiten Öffentlichkeit der Bezug zwischen Sport und Menschenrechte vermittelt werden.

Kontext

In den letzten Jahren hat die öffentliche Kritik an Menschenrechtsverletzungen bei Sportgroßereignissen enorm zugenommen. Angeprangert werden Vertreibungen von armen Wohnbevölkerungen in den Austragungsstädten, die inhumanen Arbeitsbedingungen auf WM-Baustellen, die Diskriminierung von Schwulen und Lesben in den Gastländern oder der Einsatz von Kinderarbeit bei der Produktion von Sportartikeln.

Gerade vor dem Hintergrund der Korruptionsvorwürfe in führenden internationalen Sportverbänden leidet die Legitimität von Sport. Sport darf nicht dazu missbraucht werden, die Rechte von Arbeiter_innen, Kindern, (sexuellen) Minderheiten oder von armen Bevölkerungsschichten zu verletzen. Aufgrund seiner gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedeutung, seiner integrierenden Potenziale und Werte hat die Sportbewegung die Möglichkeit, bei der Realisierung einer inklusiven Kultur der Menschenrechte voranzugehen. Sport darf nicht Teil des Problems sein, sondern muss Teil der Lösung werden.

Menschenrechte stehen allen Menschen gleichermaßen zu – ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach „Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Anschauung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand.“ (Art. 11 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union vom 18.12.2000 sowie Art. 2. der für diese grundlegende Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der UN vom 10.12.1948)

Die universellen Menschenrechte sind daher mit jeglicher Form von Diskriminierung unvereinbar. Neben Antidiskriminierung sind im Sport die Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit, das Recht auf Bildung, Berufsfreiheit und das Recht zu arbeiten, die Vielfalt der Kulturen, Religionen und Sprachen, die Gleichheit von Männern und Frauen, die Rechte des Kindes und älterer Menschen sowie die Integration von Menschen mit Behinderung besonders hervorzuheben.

Sport und insbesondere Teamsportarten haben hier exzellente Voraussetzungen für Gleichberechtigung, solidarisches Miteinander, Teamgeist und gegen jede Art von Diskriminierungen präventiv vorzugehen. Angesichts der derzeitigen Fluchtbewegung nach Europa bietet Sport zudem viele Möglichkeiten, Minderheiten und marginalisierte Gruppen wie Flüchtlingen und Asylwerber_innen am gesellschaftlichen Leben zu beteiligen, gegenseitiges Kennenlernen und Austausch zu fördern und damit Vorurteile abzubauen.

Sport als Menschenrecht

Sport ist ein wesentliches Element des Menschenrechts auf Bildung und Kultur. Das Recht auf Bildung wird in Artikel 26 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und in Artikel 13 des Internationalen Pakts über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte gewährleistet. Durch Sport entwickeln sich Menschen körperlich und intellektuell weiter. Sportliche Betätigung hebt das Selbstwertgefühl, sie bietet Gelegenheit, sich selbst zu verwirklichen und Anerkennung von anderen zu bekommen. Auch gesellschaftliche Teilhabe wird durch die Partizipation am Sport und seinen kulturellen und sozialen Funktionen erreicht.

Dialogforum Sport und Menschenrechte im Haus des Sports (März 2016)
Dialogforum Sport und Menschenrechte im Haus des Sports (März 2016; Foto Visnjic/fairplay)

Der sportpolitische Hintergrund

Im EU Arbeitsplan Sport 2014-2017 stehen u.a. die Themen Jugendschutz, Beschäftigung und ehrenamtliche Tätigkeit, Good Governance, Gleichstellung der Geschlechter und der bleibende Nutzen von Sportgroßveranstaltungen im Zentrum. Aus diesem Strategiepapier entstand die Expert Group on Good Governance der EU-Kommission, die Demokratie, Menschenrechte und Arbeitsrechte im Rahmen von Sportgroßereignissen und die Gleichstellung der Geschlechter durch Sport im Fokus hat. Während auf europäischer Ebene erste Empfehlungen erarbeitet wurden, gilt es auf nationaler Ebene erste Maßnahmen und präventive Aktionen zu setzen. VIDC-fairplay ist als Expertin in den diesbezüglichen Arbeitsgruppen auf nationaler und internationaler Ebene vertreten. Das Projekt „Sport und Menschenrechte“ schließt hier inhaltlich an.

Zielsetzungen

Ziel des Projekts ist es, die Sport-Community und ihre wichtigsten Akteur_innen (Verbände, Vereine, Athlet_innen, Medien, öffentliche Hand, Fans, …) für die umfassende Verwirklichung der Menschenrechte im und durch Sport zu sensibilisieren und zu mobilisieren. Der österreichische Breiten- und Profisport soll mittelfristig ein europäisches Beispiel für vorbildliche Menschenrechts- und Nachhaltigkeitsstandards sein, sowie für eine dauerhaft verankerte Menschenrechtskultur. Grundlage dafür ist zielgruppenspezifische Informations-, Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit.

Fördergeber

Bundesministerium Öffentlicher Dienst und Sport

Das von fairplay-VIDC durchgeführte Projekt Sport und Menschenrechte wird seit 1. Juli 2016 vom Österreichischen Sportministerium gefördert.