Die größte, vermeintlich „inklusivste und gastfreundlichste“ Fußball-WM aller Zeiten ist Geschichte. Und in der Logik der FIFA war sie ein voller Erfolg: 104 Spiele wurden bei dem Mega-Event in Mexiko, Kanada und den USA absolviert; das sind 104 Möglichkeiten für den Weltverband, ordentlich Geld zu machen.
Nach dem gestrigen Finale der FIFA WM 2026 schließen wir als fairplay Initiative uns den Statements von Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch (HRW) oder der Sport & Rights Alliance an.
Schon im Mai 2025 richtete HRW einen Brief mit Bedenken in Bezug auf die restriktiven US-Einreisebestimmungen, die viele Teilnehmerländer benachteiligten, an FIFA-Präsident Gianni Infantino, und warnte, dass solche Restriktionen jenen Werten widersprächen, zu denen sich die FIFA bekenne. Trotz dieser Warnungen ignorierte Infantino die Kritik und äußerte sich auch wenige Monate später nicht, als man ihn schriftlich um eine Erklärung dafür bat, nach welchen Kriterien und auf welche Weise die Verleihung seines ominösen Friedenspreises an Präsident Trump zustande gekommen war.
Die umstrittene Visumspolitik der USA machte gleich zu Beginn Schlagzeilen und betraf nicht nur prominente Beispiele wie den Umgang mit dem iranischen Nationalteam, dem somalischen Schiedsrichter Omar Artan oder der Mutter des kapverdischen Torwarts Vozinha. Die FIFA hat es verabsäumt, hier ihren Einfluss geltend zu machen und Druck auf die US-Regierung auszuüben.
Die Liste an Kritikpunkten ist allerdings noch sehr viel länger. Sie betreffen nicht nur Infantinos Sympathieerklärungen für Trump und damit jeglichen Verzicht auf „politische Neutralität“, wie sie die FIFA-Statuten eigentlich einfordern. Laut Recherchen der International Sports Press Association wurde vielen iranischen und afrikanischen Medienvertreter*innen die Einreise in die USA verwehrt. Die Antwort der FIFA auf diesbezügliche Kritik: Die Einreise in die Gastgeberländer sei „letztlich eine konsularische und einwanderungsrechtliche Angelegenheit“.
Darüber hinaus wurde die von der FIFA ignorierte Debatte über Spieler, gegen die strafrechtliche Verfahren, unter anderem wegen der Vorwürfe sexueller Gewalt, laufen, angeprangert.
Auch abseits des Rampenlichts der WM kam es zu Gewalt und Diskriminierung. Die US-Einwanderungsbehörde ICE führte landesweit eine beispiellose Welle von Razzien durch, bei denen innerhalb von nur fünf Tagen bis zu 10.000 Menschen festgenommen wurden; diese gipfelte in tödlichen Schüssen von ICE-Beamten auf zwei Personen in Texas und Maine.
Die Trump-Regierung hat die WM auf vielfältige Weise für ihre politischen Zwecke instrumentalisiert. Präsident Trumps Intervention beim FIFA-Präsidenten im Fall des US-Spielers Folarin Balogun war zudem einer der umstrittensten spielbezogenen Momente des Turniers.
Angesichts der bevorstehenden Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles sowie anderer Sportgroßveranstaltungen sind Sportverbände und Regierungen aufgefordert, über freiwillige „Leitlinien“ zu Menschenrechten hinausgehen und echte Rechenschaftspflicht einführen.
