Eine neue Studie zeigt: weibliche Geflüchtete werden von Sportvereinen kaum erreicht

Im Rahmen des „Sport Inclusion Networks“ (SPIN) haben wir eine Studie zur Inklusion von weiblichen Geflüchteten in den Sport durchgeführt. Obwohl es große Herausforderungen in Hinsicht auf die Ungleichheit der Geschlechter und der Ausgrenzung von Migrantinnen gibt, zeigt die Untersuchung, dass es auch erfolgreiche Strategien für die Inklusion gibt.

Basierend auf empirischen Daten aus 7 EU-Mitgliedstaaten veröffentlichte die deutsche Organisation Camino im Rahmen des Erasmus+ Projekts „SPIN Women“ einen Studienbericht über den Zugang und die Teilnahme von Migrantinnen und -mädchen im Sport.

Wenn es darum geht, sicherzustellen, dass das Recht aller Frauen und Mädchen auf gleichberechtigten Zugang zum sozialen Leben, zu Freizeitaktivitäten und zur Erholung respektiert wird, kann und muss der Sport seiner Verpflichtung nachkommen.

Aber welche Rolle spielen migrantische Frauen und Mädchen im europäischen Sport tatsächlich? Inwieweit ist ihr gleichberechtigter Zugang gewährleistet? Welche Hindernisse gibt es für diejenigen, die bereit sind, Sport zu treiben und sich in einem Verein zu engagieren? Welche Strategien zielen darauf ab, Migrantinnen und -mädchen über sportliche Aktivitäten zu erreichen und letztendlich ihre Aufnahme in einen Sportverein zu ermöglichen? Welche Empfehlungen können Sportvereinen und Initiativen auf der Grundlage dieser Erkenntnisse gegeben werden? Dies sind die Hauptfragen, die die Studie beantworten sollte.

Gleicher Zugang und Barrieren im Sport

Die Studie stützt sich auf die Erfahrung von 54 Expert_innen, von denen die meisten Frauen sind, die sich zwischen April und Juni 2019 in Fokusgruppen in sieben verschiedenen Ländern getroffen haben. Sie wurden gebeten, ihre Ansichten und Erfahrungen zu erzählen. Zu den Fokusgruppen gehörten Vertreter_innen von Sportvereinen und -initiativen, Migrant_innenorganisationen, weitere NGOs, Sportverbände, Schulen und kommunale Sportabteilungen. Alle Expert_innen hatten praktische Erfahrung im Umgang mit migrantischen Frauen und Mädchen im sportlichen Kontext.

Die Studie konzentriert sich auf neu angekommene Migrantinnen, häufig Frauen und Mädchen mit Fluchterfahrung. Einige Fokusgruppen befassten sich auch mit Angehörigen sozial marginalisierter ethnischer Minderheiten, hauptsächlich aus der Roma-Gemeinschaft.

Die Autorin des Studienberichts, Victoria Schwenzer:

„Es gibt (oft) eine Reihe von Hindernissen, die migrantische Frauen und Mädchen davon abhalten, das Recht auf gleichberechtigte Teilnahme am Sport auszuüben. Solche Hindernisse bestehen auf verschiedenen Ebenen: innerhalb der Strukturen des organisierten Sports sowie innerhalb der Strukturen der Herkunftsfamilien und des größeren Kontextes der Aufnahmegesellschaft. Eine intersektionale Perspektive zeigt, dass verschiedene Formen der Diskriminierung dazu neigen, sich zu vereinen und somit zu verstärken.“

Die Studie untersuchte auch die Folgen der Ankunft einer erhöhten Anzahl von Flüchtlingen ab 2015/2016:

„Vereine, Verbände und Initiativen in mehreren europäischen Ländern entwickelten eine Reihe von sportlichen Aktivitäten für diese Zielgruppe. Frauen und Mädchen wurden aber kaum erreicht. Darüber hinaus wurden sie nicht einmal als eigene Zielgruppe wahrgenommen. ‚Sportliche Aktivitäten für Flüchtlinge‘ waren ‚sportliche Aktivitäten für (junge) männliche Flüchtlinge‘.“

Die Studie hat jedoch Änderungen festgestellt. Einige der Sportprojekte für Flüchtlinge würden nun versuchen, sich an die spezielle Zielgruppe von Frauen und Mädchen anzupassen, spezifische Projekte wurden dahingehend initiiert. "Ein großes Ungleichgewicht" würde aber nach wie vor bleiben.

Sportliche Eingliederung von Migrant_innnen und Minderheiten

„SPIN Women“ (Sport Inclusion of Migrant and Minority Women – Promoting sports participation and leadership capacities) ist ein Projekt des Sport Inclusion Network (SPIN), das vom Erasmus+ Programm der Europäischen Union kofinanziert wird.

Folgende Organisationen beteiligen sich an dem Forschungsprojekt: das Wiener Institut für Internationalen Dialog und Zusammenarbeit (VIDC/fairplay), Liikkukaa - Sport for all aus Finnland, der Sportverband Unione Italiana Sport Per Tutti (UISP) aus Italien, die Profifußballergewerkschaft SJPF aus Portugal, Mahatma Gandhi Human Rights Organisastion aus Ungarn, der irische Fußballverband (FAI) und Camino aus Deutschland.

Wie man zur Studie kommt

Das gedruckte Exemplar der 24-seitigen Publikation „Equal access and participation of migrant women and girls in sports - A study report“ kann bei VIDC-fairplay bestellt werden.

Zur Bestellung senden Sie bitte eine E-Mail mit Ihrer Postanschrift an fairplay [AT] vidc [DOT] org.

Die elektronische Version kann hier heruntergeladen werden.