Im Kampf gegen Rassismus ist Mut gefragt

Bei der Unite-Against-Racism-Konferenz hatten am Mittwochnachmittag Spieler Gelegenheit, über ihre Erfahrungen mit dem Rassismus im Fußball zu sprechen.

Lilian Thuram

Lilian Thuram hielt auf der Unite-Against-Racism-Konferenz eine beeindruckende Rede. (copyright UEFA-pjwoods.ch)

Darunter auch der französische Rekordnationalspieler Lilian Thuram, der als leidenschaftlicher Kämpfer gegen den Rassismus gilt. Er beantwortete Fragen der Delegierten, ehe eine lebhafte Diskussion entbrannte, an der auch der in Brasilien geborene polnische Nationalspieler Roger Guerreiro sowie der senegalesische Nationalspieler Pape Samba Ba teilnahmen. uefa.com hat die wichtigsten Aussagen zusammengefasst.

 

Lilian Thuram, französischer Rekordnationalspieler

 

"Wir reden über Rassismus im Fußball, als gäbe es ihn nur in den Stadien, aber er existiert auch in der Gesellschaft. Um den Rassismus zu bekämpfen, muss man begreifen, dass Rassismus ein Teil der Kultur ist. Unglücklicherweise denken manche Leute, dass es heute nicht mehr so viel Rassismus gibt. Ich denke, dass es an Mut mangelt, um die Dinge so zu sehen, wie sie sind. Wir müssen unsere Geschichte sehen, um die Vorurteile zu analysieren. Die Tatsache, dass [Barack] Obama [US-] Präsident ist, ändert die Dinge natürlich. Rassismus ist in der Vorstellung vorhanden, es geht darum, wie man sich andere vorstellt. Mit Obama als Präsident wird sich die Vorstellung der Leute ändern. Denken Sie zurück an die 50er Jahre und an [die Menschenrechtsaktivistin] Rosa Parks, die nicht im Bus sitzen durfte - und jetzt, 50 Jahre später, wird ein schwarzer Präsident gewählt."

 

Pape Samba Ba, MKS Znicz Pruszków

 

"In einem Spiel tat der Schiedsrichter nichts, um die Beschimpfungen zu beenden. Das steigerte sich so, dass ich das nicht mehr hinnehmen konnte. Dann gab es ein Foul und ich habe meinen Kopf verloren. Mir wurde die Gelbe Karte gezeigt. Ich machte eine Geste, die ich bedaure, und ich sah die Rote Karte. Ich fragte, warum ich die Rote Karte gesehen habe. Ich beschloss, kein Blatt mehr vor den Mund zu nehmen. Es war schwer für mich, darüber hinwegzukommen."

 

Vladimír Sendrei, Roma Public Policy Institute

 

"Als ich 21 war, war ich der einzige Spieler in meiner Mannschaft, der eine dunkle Hautfarbe hatte. Da gab es Gesänge und andere erniedrigende Dinge gegen mich. Mir wurde klar, dass ich über solchen Beschimpfungen stehen müsste, um spielen zu können. Um dies zu schaffen, brauchte ich Menschen um mich herum, die einen nicht nach der Hautfarbe beurteilen, sondern nach Talenten und Fähigkeiten. Kinder im Juniorenbereich sollten den Fußball als ein Mittel nutzen, um mehr über die eigene Kultur und die Kultur anderer herauszufinden. Wir haben alle unterschiedliche kulturelle Hintergründe; die Integration und der interkulturelle Austausch sollte schon im Nachwuchsbereich gefördert werden."

 

Roger Guerreiro, Polen und Legia Warszawa

 

"Ich hatte das Pech, Rassismus auf und außerhalb des Platzes zu erleben. Niemand ist aufgrund seiner Hautfarbe besser oder schlechter. Man ist ein Individuum und muss in der Gesellschaft leben, in der man sich befindet. Rassismus ist eine Sache, die mit Kultur und Erziehung zu tun hat. Kinder schauen TV, wo sie antirassistische Botschaften sehen. Unterstützung sollte von Politikern kommen, aber auch von jedem, der die Kraft hat, sich dafür einzusetzen. Wir müssen alle Kräfte bündeln, um etwas dazu beizutragen. Die Rolle des Fußballers ist sehr wichtig, um das Bewusstsein zu schärfen, besonders unter den jungen Leuten."

 

Paul Elliott, englischer Ex-Profifußballer

 

"Profifußballer können dadurch, wie sie sich verhalten, Leute beeinflussen. Wir alle sind frei von Vorurteilen und Diskriminierung geboren worden. Wenn wir aufwachsen, beeinflusst die Umwelt unsere Denkweise und unser Benehmen. Der Fußball muss die Denkweise beeinflussen, und Fußballer haben in diesem Bereich schon einen sehr positiven Beitrag geleistet. In den 70er Jahren sprachen die Medien einfach nur davon, dass Rassismus Teil des Spiels ist. Das ist kein Teil des Spiels. Fußballer haben das fundamentale Menschenrecht, in einer von Rassismus freien Umgebung zu arbeiten, und ihr Arbeitsplatz ist das Stadion."