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Was ist Fanarbeit?

Fanprojekte

Wie funktionieren Fanprojekte?

Fanprojekte sind sozialpräventive Einrichtungen, die meist von ausgebildeten Sozialarbeiter_innen geleitet und betreut werden. Oft sind aber auch Personen aus der Fanszene unter den Mitarbeiter_innen zu finden. Fanprojekte nutzen die gemeinsame Leidenschaft für Fußball, um zumeist jugendliche Fans anzusprechen und ihnen Angebote zu machen. Zum einen im Bereich der aktiven Freizeitgestaltung (Fußballtrainings, Klettertouren, Reisen, Choreographievorbereitung, Abendveranstaltungen, Diskussionen, Parties), zum anderen bieten sie konkrete Hilfe in Krisensituationen an. Fanprojekte nehmen auch eine wichtige Vermittlungsposition zwischen Fans, Verein und Polizei ein. Öffentlichkeitsarbeit gehört ebenso zur Aufgabe von Fanprojekten wie die Vermittlung eines positiven Meinungsbildes über Fans und Fankultur. Fanprojekte sehen sich als unabhängige, parteiliche Einrichtungen für Fans.

 

Fanprojekte sind in Deutschland und der Schweiz längst etablierte Fanarbeitseinrichtungen. Auch wenn klar ist, dass solche Konzepte nicht einfach aus dem benachbarten Ausland übernommen und den österreichischen Fanszenen übergestülpt werden dürfen, lohnt es sich doch, einen intensiveren Blick auf die Idee der Fanprojekte zu werfen. Vielleicht können die erfolgreichen Konzepte unserer Nachbarn helfen, einen auf Österreich zugeschnittenen und speziell für die jeweilige Fanszene entwickelten Weg einzuschlagen.



Organisationsmodell

Die unbedingte Unabhängigkeit eines Fanprojekts von allen beteiligen Akteur_innen (Verein, Polizei, u.a.) ist grundlegende Voraussetzung für eine professionelle Fanarbeit und unabdingbar. Daher ist ein Trägerverein zu finden, der stark in sozialarbeiterischen Institutionen verankert ist. Dieser Trägerverein garantiert die Unabhängigkeit des Fanprojekts von kommerziellen und institutionellen Interessen des Fußballs, sowie von sicherheits- und ordnungstechnischen Belangen.



Ausstattung

Fanprojekte bieten den Fans „geschützte“ Räumlichkeiten, um ihre Fankultur zu leben, gemeinsam Musik zu hören, Fußballspiele zu verfolgen, zu diskutieren, Choreographien zu planen, Feste zu organisieren und kreativ tätig zu sein.
Eigene Räumlichkeiten in entsprechender Größe sind daher Grundvoraussetzung für einen problemlosen Arbeitsablauf im Fanprojekt. Neben einem Büroraum, der über mindestens zwei voll ausgestattete Arbeitsplätze sowie über eine adäquate Ausstattung an elektronischem Equipment (PC, Fax, Internet, Drucker, Telefonanlage) verfügen muss, sollen die Räumlichkeiten des Fanprojekts auch Platz, Möglichkeit und Ausstattung zur Beherbergung größerer Gruppen bieten. Die Räumlichkeiten sollen vor allem den Fans die Möglichkeit bieten, sie nach ihren Bedürfnissen (Choreographievorbereitungen, Lagermöglichkeit diverser Fanutensilien, Feste, Diskussionsrunden, gemeinsames Ansehen von Fußballübertragungen, Freizeitaktivitäten) nutzen zu können. Auch Diskussionsveranstaltungen und Arbeitsgruppen sollen hier abgehalten werden. Die Stadionnähe der Räumlichkeiten ist dabei wünschenswert. Auch auf eine zentrale, durch öffentliche Verkehrsmittel leicht zu erreichende Lage, ist dabei zu achten.


Stellenbeschreibung
Angesichts der großen Zielgruppe und des breiten Aufgabenfeldes sind mindestens zwei Vollzeitstellen angebracht. Aus den Erfahrungen deutscher Fanprojekte geht hervor, dass gerade im Bereich Fanarbeit eine Stellenbesetzung durch beide Geschlechter äußerst hilfreich ist. Allein das Vorhandensein weiblicher Fanprojektmitarberinnen ermutigt Mädchen innerhalb der Fanszene oft zu einem aktiveren und selbstbewussteren Auftreten und verlangt einer männerzentrierten Fußball- und Fankultur eine verstärkte Auseinandersetzung mit den vorherrschenden Stereotypen ab. Eine Verankerung der Mitarbeiter_innen in der lokalen Fanszene ist wünschenswert.

Weitere Anforderungen an eine_n Fanprojektmitarbeiter_in sind:

•    Abgeschlossene Ausbildung im sozialen/pädagogischen Bereich und/oder relevante Berufspraxis bei zumindest einem der Fanarbeiter_innen
•    Zugang und Interesse an der Arbeit mit Fußballfans
•    Kenntnis des institutionellen Netzes und der vorhandenen Betreuungs- und Hilfseinrichtungen
•    Kenntnis verschiedener sozialer Problemstellungen
•    Sensibilität gegenüber den speziellen Bedürfnissen und Problemen von Frauen und Mädchen in der Fanszene
•    Sensibilität gegenüber den Bedürfnissen und Problemen von Jugendlichen mit migrantischem Hintergrund innerhalb der Fanszene
•    Kritische Haltung und Umgang mit den vorherrschenden Stereotypen und Ausschlussmechanismen innerhalb des Fußballs und der dominanten Fankultur
•    Bereitschaft zur Arbeit in der Nacht und im Freien (bei jeder Wetterlage)
•    Bereitschaft zur Arbeit an den Wochenenden
•    Selbstständigkeit, Eigeninitiative und Organisationstalent
•    Fähigkeit zur Teamarbeit
•    Kontaktfähigkeit und Vermittlungsvermögen
•    Psychische und physische Belastbarkeit
•    Fähigkeit im Umgang mit kritischen Situationen
•    Durchsetzungsvermögen und Fähigkeit sich abzugrenzen
•    Kreativität, Entschlusskraft und Flexibilität



Zielgruppen

Die Zielgruppe von Fanprojekten umfasst sämtliche jugendliche und jung-erwachsene Fans (10 - 30 Jahre) des jeweiligen Fußballvereins. Unter dem Begriff des Fans summieren sich Personen beiderlei Geschlechts, für die der Besuch der Heim- und Auswärtsfahrten und die Verankerung im Vereinsanhang nicht eine momentane, auswechselbare Freizeitaktivität darstellt, sondern bei denen das „Fan-sein“ einen zentralen Aspekt in ihrer Entwicklung einnimmt. Ihr Verein/Fanklub bestimmt einen Großteil der Lebenswelt dieser jungen Menschen. Die Spiele und das Gesamtgefüge ihres Vereins stellen ein elementares Ereignis im Prozess des Sozialisation dar und beinhalten u.a. die Suche nach Gemeinschaftserlebnissen, solidarischen Gesellungsformen, eine Abgrenzung zur Erwachsenwelt sowie die Stärkung des Wir-Gefühls durch gemeinsame Aktivitäten.



Mögliche Angebote


Das Fanlokal
Ein Großteil der österreichischen Fußballfans und Fanklubs verfügt über keinerlei eigene Räumlichkeiten, um sich zu treffen, sich zu unterhalten, gemeinsame Freizeitaktivitäten durchzuführen, Choreographien zu planen und kreativ umzusetzen oder ihre Utensilien, Fahnen und Spruchbänder zu lagern. Gerade jene Fans, die auch außerhalb des Stadions besonders aktiv sind, eine Vielzahl von Aktivitäten und Veranstaltungen planen und durchführen, stellt dieser Umstand vor große Schwierigkeiten. Die meisten öffentlichen Lokale und Gaststätten bieten meist weder den passenden Rahmen, noch die benötigten Öffnungszeiten. Fanprojekte sollen es den Jugendlichen ermöglichen, ihre Räume zu beziehen, sie nach ihrem Geschmack zu gestalten und zu nutzen. In gemeinsamer Arbeit sollen die Räumlichkeiten ausgemalt, umgebaut, zweckmäßig eingerichtet und in Stand gehalten werden.

Spielbegleitung
Die Begleitung der Fans bei Heim- und Auswärtsspielen ist eine der Kernaufgaben der Fanprojektarbeit. Einige Stunden vor Beginn des Heimspieles wird das Fanprojektlokal für die Fans geöffnet. Den Fans dient das Fanprojektlokal als Treffpunkt und Aufenthaltsort. Das Aufsperren des Lokals sowie der Getränkeausschank kann abwechselnd von verschiedenen Fanklubs in Eigenverantwortung übernommen werden. Zusätzlich ist während der Öffnungszeiten immer mindestens ein/e Fanprojektmitarbeiter_in im Lokal ansprechbar. Rund um die Heimspiele erfolgt auch die Information und Anmeldung zu diversen Angeboten des Fanprojekts bzw. zu Aktionen der Fans/Fanklubs selbst (Fanfahrten, Sportangebote, Arbeitsgruppen, Veranstaltungen usw.). Die Fanprojektmitarbeiter_innen begleiten die Fans auf deren An- und Abmarsch zum Stadion. Bei Auswärtsspielen gestalten sich die Aufgabenbereiche ähnlich. Zusätzlich ergibt sich die Organisation und Durchführung von Fanfahrten und verschiedene Aktivitäten für junge Fans (spezielle Jugendfahrten, usw.).

Antirassismusarbeit
Es ist die Aufgabe von Fanprojekten, sich mit vorhandenen rassistischen oder fremdenfeindlichen Tendenzen innerhalb der Fanszene auseinanderzusetzen und diesen entgegenzuwirken. Vorhandenes anti-rassistisches Eigenengagement der Fans gilt es mit und durch die Mittel des Fanprojekts zu unterstützen und zu fördern. Weiters soll eine gezielte Fanprojektarbeit Jugendlichen mit migrantischem Hintergrund erleichtern, Zugang zur lokalen Fanszene zu finden.

Mädchen- und Frauenarbeit
Für Frauen und Mädchen ist es oft besonders schwer, sich im "Männersport" Fußball zu behaupten. Durch das Angebot einer Frauen- und Mädchengruppe, in der Probleme diskutiert, gemeinsame Freizeitaktivitäten, Feste und Choreographien geplant, Spruchbänder und Doppelhalter hergestellt werden, soll die Aktivität und Sichtbarkeit der Mädchen innerhalb der Fanszene, aber auch gegenüber dem Verein, gefördert werden. Das Angebot eines eigenen Mädchen-Hobbyfußball-Teams soll die jungen Frauen dazu motivieren, selbst aktiv Fußball zu spielen. Gemeinsam organisierte Mädchenreisen sollen die Netzwerkbildung zwischen den Mädchen verbessern und Gemeinschaftsgefühl und Selbstvertrauen stärken.

Sport und erlebnispädagogische Angebote
Fußballsport, aber auch Sport im allgemeinen, steht im Zentrum des Fan-Interesses. Bereits bestehende, sportliche Aktivitäten der Fans sollen ausgebaut und unterstützt werden. Der Hunger vieler Fans nach Aktion und Erlebnis soll durch Angebote mit hohem Erlebnischarakter gestillt werden, z.B. durch gemeinsame Klettertouren, Bootsfahrten oder Skiwochenenden.

Veranstaltungen und kollektive Jugendkultur-Arbeit
Die Fanszene verfügt über ein enormes, kreatives Potential. Fankultur besteht nicht nur darin, Wochenende für Wochenende ins Stadion zu gehen und die Mannschaft anzufeuern. Fans wollen sich auch anders ausdrücken, haben Bedürfnisse und Ideen. Dies zeigt sich etwa in der Produktion szeneeigener Publikationen, den sogenannten Fanzines, durch die Gestaltung eigener Radiosendungen oder die aufwendigen Homepages vieler Fanklubs. Auch Schals, Aufkleber, Pins und Fankleidung werden von den Fans in Eigenregie entworfen und vertrieben. Viele Fanklubs organisieren sehr erfolgreich eigene Fanturniere und Charity-Events. Die bunten und oft sehr aufwendigen Choreographien sind aber sicher der kreativste und künstlerischste Ausdruck dieser Jugendkultur. Für Fanprojekte gilt es, diesen Tatendrang und das kreative Potential zu unterstützen und auszubauen und den Jugendlichen neue Gestaltungsmöglichkeiten zu eröffnen. Durch die Bildung von Arbeitsgruppen können Aktivitätsfelder der Fans gefördert werden. Welche Arbeitsgruppen eingerichtet werden, richtet sich ganz nach den Bedürfnissen und der Akzeptanz der Fans. Denkbar wäre beispielsweise eine Fanzine-Gruppe, eine Video-AG zur Produktion eines Films über Fankultur usw.

Öffentlichkeits-, Vermittlungs- und Lobbyarbeit
Die Erwachsenenwelt steht der Fankultur oft mit Unverständnis gegenüber. Die Konsequenz daraus ist eine oft falsche Interpretation dieser Jugendkultur und ihre Belegung mit meist negativen Stereotypen. Die Aufgabe eines Fanprojekts ist es, durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit diese vorgefassten Meinungen zu durchbrechen und Übersetzungsarbeit zwischen den Kulturen zu leisten.

Jugendspezifische Angebote
Besonders kostengünstige Auswärtsfahrten für Schüler_innen und  Lehrlinge sollen angeboten werden. Ebenso wie Auslandsreisen, um andere Fanszenen und -kulturen kennen zu lernen und den internationalen Austausch zu fördern.

Einzelfallhilfe
Umfasst z.B. Beratung und Hilfe bei Gewalterfahrungen, Suchtproblemen, Arbeitslosigkeit, schulischen und privaten Problemen.


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