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Fanarbeit in Österreich

Aktuell

Aktuelle Fanbetreuungskonzepte in Österreich

Auf dem Gebiet der Fanbetreuung lassen sich aktuell fünf Hauptakteure erkennen, die mit unterschiedlicher Gewichtung an Diskurs und Umsetzung beteiligt sind.

Zum einen ist die Österreichische Bundesliga zu nennen, die Rahmenbedingungen schafft und für die bestehenden Konzepte im Ligabetrieb verantwortlich zeichnet.

Der wichtigste Akteur in diesem Feld ist die Exekutive. Sie stellt nicht nur uniformierte Einheiten, sondern auch die sogenannten „Fankontaktbeamten“ bzw. „Fanbetreuer der Polizei“ für alle Spiele bereit. Die Fanbetreuer_innen der Polizei sehen ihre Arbeit als gewaltpräventive Maßnahme.

Als dritter Akteur sind die Fußballvereine zu nennen. Ihnen obliegt die Umsetzung der Bundesliga Richtlinien, wie auch die Finanzierung ihrer fanspezifischen Aktivitäten. Da es in Österreich keine Richtlinien zu Fanbetreuung gibt, die über den Sicherheitsaspekt hinausgehen, haben die Vereine meist sehr individuelle Praxen entwickelt, wie sie mit ihren Fans umgehen und zusammenarbeiten.

Im Jahr 2001 wurden alle Streetworkprojekte mit Fußballfans eingestellt. Seither haben Wiener Streetworker_innen über andere Arbeitsfelder (z.B. in der Gewalt- und Suchtprävention) noch mit Fans zu tun. Mitarbeiter_innen von Streetwork Wien/Verein Rettet das Kind sind zwar nach wie vor in den Fansektoren beider Wiener Vereine unterwegs, um Beratung und Unterstützung für die Jugendlichen zu bieten, von einer umfassenden sozialpädagogischen Fußballfanarbeit kann aber nicht mehr die Rede sein.

Die Initiative FairPlay. Viele Farben. Ein Spiel. wurde 1997 am VIDC gestartet. Neben der Antidiskriminierungsarbeit setzt sich FairPlay seit seiner Gründung für die Rechte von Fans ein und fordert fanorientierte Arbeit abseits der Sicherheits- und Gewaltdebatten.


Das Fankonzept der Österreichischen Bundesliga
Die österreichische Bundesliga sieht Fanbetreuung ausschließlich unter dem Sicherheitsaspekt. Das in den Jahren 2001/2002 erstellte und in Kraft getretene Fankonzept besteht aus Regelungen zu den drei Kernbereichen „Durchführungsrichtlinien Fanchoreographien“, „Durchführungsrichtlinien Stadionverbot“ (seit 2002) und den allgemeinen „Sicherheitsrichtlinien für die Bewerbe der österreichischen Fußball-Bundesliga“ (seit 2001). Die Sicherheitsrichtlinien geben vor, welche Gegenstände und Utensilien ins Stadion mitgebracht werden dürfen. Weiters beinhalten sie Regelungen zur Verhängung von Stadionverboten sowie zur Durchführung von Fanchoreographien. In der Praxis zeigen sich aber nach wie vor Schwierigkeiten bei der Einhaltung und einheitlichen Auslegung der Richtlinien.

Seit Sommer 2003 sind sogenannte „Fanbeauftragte“ im Feld tätig. Es handelt sich dabei um eine ehrenamtlich tätige Person, die in der Fanszene des jeweiligen Vereins verankert ist, und die Belange der Fans verstehen und kommunizieren kann. Eine Art Schaltstellenfunktion, deren Ziel es ist, die Kommunikation zwischen Fans, Fanklubs, den Vereinen und der Bundesliga aufrecht zu erhalten. Fanbeauftragte sind durch die Verpflichtung zur Kooperation mit den Sicherheitsbeauftragten der Vereine und der Bundesliga in ihrer parteilichen Interessensvertretung für Fans eingeschränkt. Auch hier steht der Sicherheitsaspekt im Vordergrund, soziale und fankulturelle Belange werden lediglich unter diesem Gesichtspunkt erfasst. Durch die enge Koppelung der Funktion an die Bundesliga und den Verein, sowie durch die unbezahlte Freizeitarbeit ist der Handlungsspielraum der Fanbeauftragten stark begrenzt.

 


Die polizeiliche Fanbetreuung

Die Exekutive tritt in österreichischen Stadien als doppelter Akteur in Erscheinung. Zum einen in Form von uniformierten Einheiten, zum anderen gibt es seit 1998 die sogenannten „Fanbetreuer der Polizei“ oder „Fankontaktbeamte“, die bundesweit gewaltpräventiv in und rund um die Stadien tätig sind. Teil der polizeilichen Präventionsarbeit ist es, sowohl Fans als auch Polizeibeamt_innen aus der Anonymität zu holen, Normen zu vermitteln und mittels Gesprächen deeskalierend auf eine Situation einzuwirken. Die „Fanbetreuer_innen der Polizei“ sehen sich dabei als Pufferzone zwischen Fans und uniformierter Polizei. Ihr Hauptaugenmerk liegt auf der Vermeidung bzw. Deeskalation brenzliger Situationen. Sie arbeiten aber nicht nur präventiv, sondern führen auch strafprozessuale Maßnahmen durch, d.h. sie werden repressiv tätig. Im Rahmen ihrer Arbeit müssen Fankontaktbeamt_innen auch Ermittlungsverfahren einleiten, wenn ihnen entsprechende Informationen über Straftaten bekannt werden. Sie unterliegen dem Offizialprinzip und haben eine klare Aufgabenstellung: Strafverfolgung und Gefahrenabwehr. Das Arbeitsfeld der polizeilichen Fanbetreuung beschränkt sich auf Gewaltprävention im Stadion und während der Anreise und endet dort, wo fankulturelle, soziale oder persönliche Bedürfnisse von Fans beginnen.


Fanbetreuung durch die Vereine
Gezielte Fanbetreuung, die über einen wirtschaftlichen Aspekt hinaus geht, ist bei einem Großteil der österreichischen Bundesligavereine nicht erkennbar. Lediglich einige Großklubs verfügen über Mitarbeiter_innen, die zusätzlich zu anderen Arbeitsbereichen auch für die Fan- und Besucher_innenbetreuung abgestellt sind. Auch hier steht neben den bereits erwähnten wirtschaftlichen Aspekten (Kartenverkauf, Merchandising, Klubveranstaltungen) der Sicherheitsaspekt im Vordergrund. Da es in beiden Bereichen zu grundlegenden Unvereinbarkeiten zwischen Fan- und Vereinsinteressen kommen kann, ist eine parteiliche Vertretung von Faninteressen durch Vereinsmitarbeiter_innen nicht möglich. Zusätzlich fehlt es meist an zeitlicher Kapazität und oft auch an professioneller Ausbildung.


FairPlay. Viele Farben. Ein Spiel.
FairPlay war in Kooperation mit den Netzwerken FARE und FSE mit der Erarbeitung und Umsetzung der offiziellen Fan Hosting Programme bei der EM 2004 in Portugal sowie bei der EM 2008 in Österreich und der Schweiz betraut. Mehr Informationen zum Fan Embassies Programm bei der EURO 2008 gibt es hier.

Vor allem im Rahmen der EM 2008 wurden Versuche gestartet, Fanprojekte auch in Österreich zu etablieren. Dem damaligen Fanbeauftragten von Austria Wien und FairPlay-Mitarbeiter Martin Schwarzlantner gelang es 2009 das erste österreichische Fanprojekt zu starten.

Auch der FC Wacker Innsbruck und die Faninitiative Innsbruck fordern seit Jahren ein Fanprojekt. Ein großer Teil der Fans lehnt dabei das deutsche Modell allerdings ab und fordert autonomere Strukturen. Der ehemalige FairPlay-Mitarbeiter Armin Weber arbeitet gerade an der Umsetzung eines solchen Innsbrucker Fanprojekts.

Auch beim Salzburger Traditionsverein Austria Salzburg engagiert sich eine ehemalige FairPlay-Mitarbeiterin für die Etablierung von Fanarbeit. Das Projekt von Gabriele Rechberger befindet sich gerade in der Planungsphase. (Stand Dezember 2010)


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